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Donnerstag, den 04. April 2019 um 23:05 Uhr

Olympische Spiele auf physikalisch - Johannes Angerer aus der 8b-Klasse holte beim Tiroler Landesfinale der 38. österreichischen Physikolympiade mit deutlichem Vorsprung den Heimsieg.

Die Physikolympiade wird in Österreich seit 1981 ausgetragen. An verschiedenen Standorten in Österreich werden von engagierten Physiklehrerinnen und Physiklehrern Kurse angeboten, in denen Schülerinnen und Schüler aus der Region ihr physikalisches Wissen vertiefen, umfangreiche Experimente durchführen und sich auf die Wettbewerbe vorbereiten können.
Bereits in den Kursen gibt es einen schulinternen Kurswettbewerb, im Zuge dessen sich drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Landesfinale qualifizieren können. Darüber hinaus können sich Schülerinnen und Schüler, die aufgrund der geografischen Lage nicht an einem Kurs teilnehmen können, über den Qualifikationswettbewerb ebenfalls eines von drei Tickets zum Landesfinale sichern.
Die Aufgabenstellungen sind sehr vielfältig und reichen von Wasserschwingungen bis zum Straßenbahnnetz. Am Wettbewerbstag, heuer der 2. April 2019, werden in allen Bundesländern Österreichs die Aufgabenstellungen geöffnet und ausgeteilt. Gleichzeitig arbeiteten österreichweit an diesem Tag ca. 500 Schülerinnen und Schüler mit Eifer an den Problemstellungen.
Diesmal mussten der Tauchvorgang eines U-Boots, der Gesamtwiderstand einer Straßenbahninstallation und die Funktion eines optischen Fernrohrs theoretisch berechnet werden. Im experimentellen Teil wurden die aus der Esoterik bekannten Schwingungen des Wassers physikalisch untersucht und auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.
Die Aufgaben werden von den Arbeitsgruppen physikalischer Institute verschiedener Universitäten Österreichs zusammengestellt und orientieren sich an dem Wissen, das auch in einem technisch-naturwissenschaftlichem Studium gewünscht wird. Allerdings sind sie so gestellt, dass die älteren Schülerinnen und Schüler mit umfangreicheren mathematischen Kenntnissen keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber den jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben. Es geht primär darum, mit einfachen Mitteln knifflige Probleme zu lösen, kreative Lösungswege zu entdecken und im Experiment sorgfältig und reflektiert zu arbeiten: Die Interpretation der Gültigkeit von Messergebnissen, die genaue Beschreibung von Messfehlern und ihren Auswirkungen war beim Schwingungsexperiment in diesem Jahr besonders wichtig.
Das Mitmachen zahlt sich aus, denn:
Den Nachwuchs in naturwissenschaftlichen Berufen und speziell im Fachbereich Physik zu fördern und zu unterstützen, liegt besonders der Wirtschaft und der Industrie am Herzen. Physikerinnen und Physiker gelten als zuverlässige, effiziente und mit einem umfangreichen Fachwissen ausgestattete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher vergibt die Industriellenvereinigung Tirol jedes Jahr Geldpreise von insgesamt 700 Euro für die ersten drei Plätze der Physikolympiade. Dazu gibt es Buchpreise im Wert von insgesamt 250 Euro, die vom Bundesministerium für Bildung zur Verfügung gestellt werden und Sachpreise lokaler Sponsoren.
Der größte Gewinn ist aber die Erfahrung: Sich einmal in einem solchen Wettbewerb zu messen und dabei zu sein – das ist der olympische Gedanke, der nicht nur im Sport, sondern auch in der Physik zählt. Physikbegeisterte Jugendliche aus ganz Tirol lernen sich in diesen zwei Tagen kennen und verbringen gemeinsame Zeit. Freundschaften werden geknüpft und halten in vielen Fällen bis weit über die Schulzeit hinaus.
Das Rahmenprogramm bot den Olympioniken einen Firmenbesuch und leckeres Essen. Traditionell reisen die Jugendlichen aus ganz Tirol am Vorabend vor der Olympiade an und haben bei und nach dem Abendessen die Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen aus vorangegangenen Wettbewerben. Hier beginnt das Rätselraten: „Was könnte drankommen? Was habe ich viel geübt? Wo schau‘ ich mir die Theorie noch ein bisschen an?“
Am nächsten Tag wird nach dem Frühstück der Wettbewerb durchgeführt. Die Lehrerinnen und Lehrer, die die Kurse im Bundesland durchführen, unterstützen dabei die Organisation vor Ort. Da die Aufgaben vorher allen UNBEKANNT sind, müssen ein oder zwei Lehrerinnen und Lehrer sie auch selbst durchrechnen und das Experiment durchführen, damit fair und schnell korrigiert werden kann. Direkt nach Wettbewerbsende beginnt für die Lehrerinnen und Lehrer die Korrekturphase, die im Idealfall um 20 Uhr abends abgeschlossen ist. Diesmal dauerte es bis spät in die Nacht, bis die Ergebnisse aus Tirol an die Bundesorganisation weitergeleitet werden konnten. Die Bundesorganisation vergleicht dann noch in der Nacht die Punkte aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer Österreichs noch in der Nacht miteinander, so dass bereits am nächsten Tag feststeht, wer am Bundesfinale Teil 1 in Linz teilnehmen darf.
Währenddessen besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Nachmittag eine Firma vor Ort und erhielten eine Firmenführung: die Swarovski Optik in Absam öffnete diesmal ihre Pforten für die Nachwuchswissenschaftlerinnen und ?wissenschaftler.
Am nächsten Tag versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit gepackten Koffern im Leopoldinum, um in einer feierlichen Siegerehrung für ihre Leistungen gewürdigt zu werden. Die Klassenvorständin der 8b Klasse, Frau Mag. Renate Ebenbichler, ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, daran teilzunehmen und ihre beiden Wettkämpfer Johannes Angerer und Lukas Eppacher zu beklatschen.
Die Begeisterung über den Sieg von Johannes und das tadellose Ergebnis von Lukas war groß und beim Büffet, das von der Firma I.E.C.T. Hauser, der Werkstätte Wattens und der Flubachalm Obertauern zur Verfügung gestellt wurde, konnte man – zumindest bis zur 4. Unterrichtsstunde – ausgiebig schmausen und feiern.
Wir sind stolz auf unseren Olympioniken Johannes Angerer und drücken ihm für den Bundeswettbewerb 1 in Linz, am 29.04.2019 die Daumen!!
Ergebnisliste abrufbar unter:
http://www.physikolympiade.at/news/allgemeines/125-ergebnisse-der-landeswettbewerbe-2019

Text und Fotos: Corinna Pieber
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 05. April 2019 um 22:48 Uhr