Auf Partnersuche in London
England will wieder am Erasmus+-Programm teilnehmen? Grund genug für meinen Kollegen Prof. Andreas Zangerl und mich, Prof. Thomas Bichlmair, die Koffer zu packen und uns auf die Suche nach Partnerschulen in London zu machen.
Der um eine Woche frühere Schulstart in England ermöglichte es uns, in der letzten Sommerferienwoche der Einladung von drei Schulen zu folgen: der St. Paul’s Girls’ School, dem Cranford Community College und der Oasis Academy Enfield.
St. Paul’s Girls’ School
Am Montag waren wir in eine der besten Schulen des Landes eingeladen. Die private Mädchenschule beeindruckt nicht nur durch ihren großzügigen Campus, sondern auch durch eine Ausstattung, von der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gerne träumen: ein eigenes Fernsehstudio, voll ausgestattete Theaterräume, ein hauseigenes Gym, dedizierte Podcast-Räume und sogar eine Orgel. Zumindest beim Schwimmbad können wir problemlos mithalten.
Doch nicht nur die Ausstattung, auch das Niveau der Schülerinnen ist außergewöhnlich hoch. Eine Partnerschaft mit der St. Paul’s Girls’ School klingt daher jedenfalls sehr verlockend.
Bei einem Ginger Beer im mittlerweile wüstenähnlichen Hyde Park und einem gemeinsamen Abendessen mit unserem Kollegen Prof. Harald Geir, der sich zufällig ebenfalls in London aufhielt, ging der erste Tag in der Nähe von Big Ben rasch, aber eindrucksvoll zu Ende.
Cranford Community College
Das Cranford Community College befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Heathrow Airport – und beide verbindet vor allem eines: ihre schiere Größe. An der weiterführenden Gesamtschule lernen rund 1.500 Schülerinnen und Schüler. Dementsprechend gibt es vergleichsweise klare und strenge Regeln, die einen reibungslosen Schulalltag ermöglichen. So gilt ein ausnahmsloses Handyverbot und außerdem besteht die Pflicht, Englisch zu sprechen. Damit soll verhindert werden, dass Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Sprachen ihrer Herkunftsländer kommunizieren und sich andere dadurch ausgeschlossen fühlen. Auch auf ordnungsgemäße Kleidung – die vollständige Schuluniform – wird großer Wert gelegt. Nach Dienstschluss zeigten uns drei Science-Kollegen die noble Gegend rund um Richmond. Hier wohnen unter anderem bekannte Persönlichkeiten wie David Attenborough oder Tom Holland. Bei einem gemeinsamen Abendessen unter Kollegen
ergaben sich zahlreiche Gesprächsthemen bei ausgelassener Stimmung.
Oasis Academy Enfield
Für unseren Besuch in Enfield am Donnerstag und Freitag wechselten wir das Hotel. Dessen Sauberkeit ließ leider etwas zu wünschen übrig, weshalb wir uns nach Möglichkeit draußen aufhielten – was aber seine Vorteile hatte. Bei einem Spaziergang entlang des Kanals – auf dem zahlreiche sogenannte Narrowboats unterwegs sind – entdeckten wir zufällig einen Disc-Golf-Parcours. Die Homepage ermöglicht zum Glück kein Einbetten von Videos, was uns beiden ohnehin ganz recht ist. So können wir getrost behaupten, dass die meisten Löcher auf Hole-in One gespielt wurden. An der Oasis Academy Enfield wurden wir mit großem Enthusiasmus und viel Energie durch den Schulalltag geführt. Die Oasis Academy betreibt mehrere Schulen an unterschiedlichen Standorten. Dadurch ist auch der Unterricht vergleichsweise stark strukturiert und standardisiert (streamlined). Es war daher spannend zu erleben, wie unterschiedlich Schule organisiert und gestaltet werden kann und wie stark die jeweiligen Rahmenbedingungen den Unterrichtsalltag prägen.
Wie geht es weiter?
Ob und wann Schülerinnen- und Schülermobilitäten möglich sein werden, wird sich mit der Zeit herausstellen. Eines steht jedoch bereits fest: Viele der Lehrpersonen, die wir kennenlernen durften, haben schon ihre Kalender durchforstet, um das Franziskanergymnasium in Hall zu besuchen. Also: Augen und Ohren spitzen – vielleicht haben wir schon bald Londoner Gäste bei uns in Hall!
Text und Fotos: Prof. Thomas Bichlmair