Bosnien 2.0

von Öff. Gymnasium der Franziskaner Hall in Tirol
03. Juni 2026

Am Vorabend von Christi Himmelfahrt trafen sich 26 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 5a, 6a und 6b sowie vier Lehrpersonen, Prof. Durmuş Gamsız, P. Tobias Koszogovits, Prof. Elke Plankensteiner-Ferrari und Prof. Ilka Prowatke, um mit dem Bus eine 13-stündige Fahrt nach Bosnien anzutreten. Etwas unausgeschlafen erreichten wir am frühen Morgen die zentralbosnische Stadt Jajce. Dort stießen wir auf eine Schülergruppe und Fra Stipo Alandžak, den Direktor des Franziskanergymnasiums in Visoko. Erfreut stellten wir fest, dass die Schülerinnen und Schüler, die uns im Herbst 2024 besucht hatten, nun drei Tage lang begleiteten. Die Wiedersehensfreude war groß! Wir besichtigten in Jajce die Altstadt mit ihrer Burg, Katakombenkirche und dem Mithrastempel. Später genossen wir die grüne Natur am Plivsko Jezero bei den berühmten alten Mühlen. Riesige Laub- und Mischwälder erstrecken sich über den Norden und Zentralbosnien, so dass man sich lebhaft vorstellen kann, dass dort Bären und Wölfe leben. 
Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Sarajevo, wo wir zuerst die aschkenasische Synagoge besuchten. Kantor Igor erklärte uns sehr anschaulich die jahrhundertealte Geschichte der jüdischen Gemeinde in Sarajevo. Im Anschluss daran besichtigten wir das Franziskanerkloster. Ein Franziskanerpater berichtete uns über die Situation während der Belagerung Sarajevos im Bosnienkrieg. Viele von uns hörten zum ersten Mal von den unvorstellbaren Sniper-Touren, über die nun – nach 30 Jahren – in Mitteleuropa ermittelt wird. Nach einer Erkundung des historischen Baščaršija-Viertels besuchten wir zum Abschluss noch die Kaisermoschee, bevor wir wieder nach Visoko zurückfuhren. Dort waren wir zur feierlichen Wiedereröffnung des ethnographischen Museums eingeladen und konnten die interessanten Exponate besichtigen.
Am dritten Tag besuchten wir zuerst zwei Unterrichtsstunden im Franziskanergymnasium, bevor wir nach Mostar fuhren. Dort besichtigten wir zuerst die im Krieg zerstörte und wiederaufgebaute Kirche St. Peter und Paul. Sie besticht durch ein äußerst harmonisches, in warmen Farbtönen gestaltetes Inneres. Leider spielte das Wetter nicht mit, sodass wir bei strömenden Regen das historische Zentrum der Stadt mitsamt der wiederaufgebauten Brücke über die Neretva erkundeten. Aber selbst beim stärksten Regen ließ sich die schöne Aussicht auf das Brückenensemble bei einem bosnischen Kaffee genießen.
Bereits am ersten Tag waren wir von der herzlichen Gastfreundschaft, mit der wir empfangen wurden, überwältigt. Kontakte unter den Schülerinnen und Schülern, aber auch unter den Lehrerinnen und Lehrern wurden geknüpft und der Gegenbesuch in Hall im September geplant.
Die Schülerinnen und Schüler absolvierten in drei Tagen ein äußerst intensives Kultur- und Geschichteprogramm. Obwohl das Tagesprogramm teilweise sehr dicht war, nahmen sie mit großem Interesse daran teil. Sie bekamen Einblick in einen Kulturraum, der durch seine Lage am Westbalkan sowie dem zwar 30 Jahre zurückliegenden Krieg, dessen Spuren aber immer noch deutlich sichtbar sind, aus dem Fokus Mitteleuropas gerückt ist. Darüber hinaus wurde ihnen im Zuge vieler Gespräche und im Rahmen von Besuchen mehrerer Franziskanerklöster sowie einer Moschee und einer Synagoge vor Augen geführt, wie wichtig das Miteinander der in Bosnien vertretenen Religionen und Ethnien ist. Der jahrhundertelange Einfluss des Osmanischen Reiches, aber auch der der Habsburgermonarchie verschmelzen zu einer einzigartigen Kultur. Trotz oder gerade weil während der kriegerischen Auseinandersetzungen untereinander so viel Leid zugefügt wurde, merkt man den starken Willen der bosnischen Bevölkerung, den Weg jetzt gemeinsam zu gehen. Vom Krieg zerstörte Kirchen und Moscheen werden bzw. wurden wiederaufgebaut und das Franziskanergymnasium, das von Schülerinnen und Schülern aller vor Ort vertretenen Religionen besucht wird, ist der beste Beweis dafür, wie wichtig es ist, das Gemeinsame und nicht das Trennende zu betonen. 
„Für uns Schüler und Schülerinnen war diese Reise weit mehr als nur ein Schulausflug. Die Begegnungen mit den Menschen vor Ort, ihre Offenheit und Herzlichkeit sowie die bewegende Geschichte Bosniens haben uns beeindruckt. Vor allem das gemeinsame Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen war für viele von uns eine neue und wertvolle Erfahrung.“ Teodora Pavlović (6a)


Text: Prof. Elke Plankensteiner-Ferrari
Fotos: Prof. Ilka Prowatke, Prof. Elke Plankensteiner-Ferrari